Eine Anschlussplanerin bei einem regionalen Stromnetz, wie sie noch nie in einer KI-Pressemitteilung vorkam. Es ist Montag, und in ihrer Warteschlange liegt ein Antrag über 90 Megawatt für einen geräumten Gerüstlagerplatz am Rand Londons. Sie öffnet die Laststudie. Der Standort passt. Das Umspannwerk passt. Das vorgelagerte Übertragungsnetz, über das sie nicht entscheidet, hat keinen Platz. Sie schreibt den Termin auf, den sie anbieten kann: kein Jahr, sondern ein Jahrzehnt. Diese Planerin ist für diesen Artikel erfunden, aber ihr Satz ähnelt dem, was ein Netzbetreiber dem Entwickler laut Guardian mitgeteilt hat.

Ein Mieter geht, der Grund ist Strom

Am 18. Oktober berichtete der Guardian, Microsoft habe sich aus dem Rechenzentrum in Loughton in Essex zurückgezogen, das der britische Entwickler Nscale baut. Die Regierung hatte es 2025 als „größtes souveränes KI-Rechenzentrum Großbritanniens“ vorgestellt. Microsoft sollte Ankermieter werden. Mit dem Rückzug verliere Nscale den einzigen öffentlich angekündigten Kunden des Standorts, schreibt die Zeitung. The Telegraph meldete den Abgang zuerst. Der Grund ist die Deutung der Zeitung; Microsoft äußerte sich weder gegenüber dem Telegraph noch zunächst gegenüber Bloomberg. Nach Informationen des Guardian bleibt Microsoft bei einem weiteren Nscale-Projekt in Norwegen dabei.

Die Ursache ist nicht rätselhaft. Am 24. September berichtete der Guardian, UK Power Networks, das Unternehmen für den Anschluss des Standorts, habe Nscale mitgeteilt, das Netz könne erst Anfang bis Mitte der 2030er-Jahre genug Strom liefern. Der Standort sollte 2027 öffnen und beantragt bis zu 90 Megawatt, laut Zeitung etwa der Verbrauch von 315.000 Haushalten. UK Power Networks wollte das Projekt nicht besprechen, erklärte aber, dass „viele Rechenzentren zwar an unser Verteilnetz angeschlossen werden, jedoch vor Betriebsbeginn Arbeiten am größeren nationalen Stromübertragungsnetz abwarten müssen“.

Nscale erklärt, an Loughton und Großbritannien festzuhalten, andere Stromquellen und Standorte zu prüfen und die Beziehung zu Microsoft als „stark und langfristig“ zu betrachten. Ein Sprecher nannte das Problem ein „londonweites Netzproblem“, das andere Verträge nicht beeinflusse.

Ein Kundenstamm mit zwei Namen

Der Rückzug ist über Essex hinaus wichtig, weil weitere Akteure von Nscale abhängen. The Next Web berichtet unter Berufung auf den Börsenprospekt, Microsoft und Anthropic machten rund 85 % seiner Verträge aus. Anthropic vereinbarte im August, über sechs Jahre 45 Milliarden Dollar für Nscale-Rechenleistung auszugeben. Nscale will möglicherweise schon diesen Monat bis zu 3 Milliarden Dollar bei einem Börsengang einwerben. Laut Guardian strebt das Unternehmen dabei eine Bewertung von 35 Milliarden Dollar an.

Derselbe Bericht beschreibt den norwegischen Vorzeigestandort als sechs Monate verspätet; von geplanten 30 Megawatt laufen 6,4. Er merkt auch an, CoreWeave-Aktien seien vergangene Woche um 25 % gefallen, ihre schlechteste Woche seit November, und Australiens Firmus habe seinen Börsengang mangels ausreichender Unterstützung verschoben. Der Guardian ergänzt, Kritiker betrachteten sogenannte Neoclouds, die sich für den KI-Boom stark verschulden, als Schwachstelle der größeren KI-Wirtschaft. Das ist die Einordnung einer Debatte durch die Zeitung, kein Messergebnis. Die Dokumente zeigen allerdings ein finanziertes Unternehmen, dessen Umsatz von Gebäuden abhängt, die noch nicht eingeschaltet werden können.

Die Warteschlange ist das Produkt

Loughton ist in Großbritanniens Warteschlange kein Ausreißer. Im Juni erklärte die Regulierungsbehörde Ofgem, 315 Rechenzentren warteten auf einen Anschluss an das National Grid. Sie stehen für 73 Gigawatt Nachfrage gegenüber einer nationalen Spitzenlast von 45 Gigawatt, berichtet der Guardian. Am 29. Juli eröffnete Ofgem eine Konsultation zu spekulativen Projekten. Anträge auf Verbrauchsanschlüsse seien in weniger als einem Jahr von 41 auf 125 Gigawatt gestiegen, davon entfielen mindestens 80 Gigawatt auf Rechenzentren. Vorgeschlagen wird eine Verpflichtungsgebühr zwischen 237.500 und 712.500 Pfund je Megawatt, erstattet bei Inbetriebnahme und verfallen bei vorzeitigem Verlassen der Warteschlange. Eleanor Warburton, Direktorin für Energiesystemgestaltung, sagte, spekulative Projekte sollten keinen Platz belegen, den baureife Vorhaben benötigten.

Die Logik einer Gebühr lautet: Ein Warteschlangenplatz ist knapp, und manche Inhaber werden nie bauen. Die Behörde selbst erklärt, eine lange Schlange sende „irreführende Signale“ darüber, wie viel Kapazität das Land braucht. Für einen Entwickler mit vertraglich gebundenem Mieter und finanziertem Rohbau ist das ein schwacher Trost: Die Gebühr schützt die Warteschlange, das Warten bleibt.

Was die amerikanische Prüfung ergab

Jenseits des Atlantiks galt die Sorge eher der Politik als dem Strom. Lokaler Widerstand gegen Rechenzentren brachte Hunderte Moratorien hervor; verbreitet ist die Annahme, sie würgten den Ausbau ab. Das Branchenforschungsunternehmen SemiAnalysis untersuchte dies. Seine Analysten Maya Barkin, Reyk Knuhtsen, Jeremie Eliahou Ontiveros und Dylan Patel verfolgten mehr als 400 lokale Instrumente in 17 Staaten und glichen sie mit einer Pipeline von über 6.000 Anlagen ab. Sie nutzten Grundstücksunterlagen, Genehmigungen, Stromdaten, Anfragen nach öffentlichen Dokumenten und Satellitenbilder.

Ihr Ergebnis, die Schätzung eines Unternehmens anhand eines für Nichtabonnenten nur teilweise sichtbaren Modells: Rund 20 Gigawatt liegen innerhalb eingeschränkter Gebiete, lokal verzögern sich jedoch nur 1.525 Megawatt. Einschließlich New Yorks Pause bei Umweltgenehmigungen beziffern sie die landesweite Verzögerung auf rund 2,3 Gigawatt, gegenüber etwa 38 Gigawatt erwarteter US-Kapazität 2027, von denen bei 22 Gigawatt bereits der Hochbau läuft. Die meisten Moratorien frieren neue Anträge ein und widerrufen bestehende Genehmigungen nicht. Manche laufen ab, bevor spätere Projekte eine Genehmigung brauchen. Manche erfassen das Grundstück nicht: Michigan hat 45 beschlossene Moratorien und laut Unternehmenszählung praktisch keine betroffene Projektpipeline. Ein texanisches Projekt geriet außerhalb eines Moratoriums, als 444 Acres aus den Stadtgrenzen herausgenommen wurden.

Die Autoren sagen nicht, das Risiko sei null. Moratorien „könnten“ den Ausbau verzögern, schrieben sie, seien aber „noch nicht in großem Maßstab“ vorhanden. Ein striktes staatsweites Verbot, das selbst netzunabhängige Projekte erfasst, würde sie beunruhigen. Tom’s Hardware fasste die Arbeit am 18. Oktober zusammen und ergänzte den Eindruck eines Economist-Reporters vor Ort: Die Moratorien „bellen vorerst viel mehr, als sie beißen“. Der Bericht merkt auch an, dass Texas’ Pause bei Rechenzentrumsgenehmigungen, die laut Bracewell bis Mitte Dezember dauern dürfte, außerhalb der 2,3 Gigawatt liegt.

Wo die Grenze liegt

Nebeneinandergestellt weisen die Geschichten mit einem Vorbehalt in dieselbe Richtung. In der amerikanischen Prüfung ist das rechtliche Hindernis kleiner als befürchtet. In Essex ist das physische größer, als der Zeitplan annahm. Ein Veto lässt sich durch Grenzverschiebung oder Abwarten einer Frist umgehen. Ein Ausbau des Übertragungsnetzes lässt sich nicht wegdiskutieren. Der Vorbehalt: Die Fälle stammen aus verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Daten. SemiAnalysis prognostiziert amerikanische Kapazität, während der britische Fall auf einem berichteten Vertrag beruht. Niemand hat gemessen, wie viele britische Projekte in Loughtons Lage sind.

Nun eine solche Planerin ein Jahr später am Schreibtisch in Nordengland: eine zweite erfundene Figur. Ein Entwickler ruft an und fragt, ob sich der Termin verschoben hat. Sie hat eine neue Studie geöffnet und sagt dem Anrufer, was sie allen sagt: Das Gebäude kann lange vor der Leitung fertig sein.

Quellen

  • Dina, C. (2026). Microsoft reportedly quits Nscale’s UK data centre weeks before its IPO. The Next Web. thenextweb.com
  • Downing, S. (2026). 300-plus local data center bans have only delayed just three US projects. Tom’s Hardware. tomshardware.com
  • Milmo, D. (2026). Launch of UK’s ’largest AI supercomputer’ delayed by power supply problems. The Guardian. theguardian.com
  • Ofgem (2026). Ofgem acts to free up grid capacity by tackling speculative data centre projects. ofgem.gov.uk
  • SemiAnalysis: Barkin, M., Knuhtsen, R., Eliahou Ontiveros, J., & Patel, D. (2026). Everyone Says Datacenter Moratoriums Are Killing the US Buildout. We disagree. newsletter.semianalysis.com
  • Topham, G., & Down, A. (2026). Microsoft pulls out of AI datacentre project in Essex over power supply concerns. The Guardian. theguardian.com